Jonas Mayer Elsas
Der 1851 geborene Frankfurter Börsenmakler Jonas Mayer – John Elsas hat ab Mitte der 1920er Jahre ein Werk von rund 25’000 gemalten und geklebten Bildern mit Knittelversen geschaffen, ein einmaliges Werk das, trotz Ausstellungen in renommierten Galerien bis in die Zeit nach der Jahrhundertwende weitgehend unbekannt geblieben ist. Aus diesem umfangreichen Werk war eine kleine Auswahl von 70 Originalen nebst Publikationen, Briefen und Dokumenten vom 1. Juli bis zum 8. August 2021 in einer kleinen Ausstellung im Museum Strauhof in Zürich zu sehen.
«Mein ganzes Leben war ein Fehler, da wurd' ich Maler und Erzähler»
Jonas Mayer, der sich erst als spätberufener Künstler John Elsas nannte, wurde am 6. Juli 1851 als Sohn von Baruch Mayer und Johannette (Jenny), geborene Hanau in Frankfurt geboren. Jonas wuchs mit zwei älteren und einem jüngeren Geschwister auf. In den Jahren 1857 bis 1867 besuchte er das Philantropin, die Schule der Frankfurter jüdischen Gemeinde. Nach dem Schulabschluss absolvierte Jonas eine kaufmännischen Ausbildung in der Firma seines Vaters. Im Juni (29.) 1881 ging er die Ehe mit Pauline Manes (1857–1911) ein. Die Eheleute bekamen drei Kinder, den Sohn Karl (*1882), der 1922 an den Folgen einer Kriegsverletzung (aus dem Weltkrieg) verstarb, die Töchter Fanny (1884–1966) und Irma (1887–1944).
Die älterer Tochter Fanny heiratete 1916 in zweiter Ehe den Journalisten, Schriftsteller und Drehbuchautor Friedrich Raff (1889–1947), nachdem ihr erster Mann Paul Herz (*1883), mit dem sie ihren älteren Sohn Hans (1913–1993) hatte, bereits 1913 verstorben war. Der Verbindung mit Friedrich Raff, der den Sohn aus erster Ehe adoptierte, entstammt der jüngere Sohn und zweite Enkel von John Elsas, Herbert (1917–2000).
Die jüngere Tochter Irma lebte bis zu dessen Tod mit ihrem Vater. Nach zunehmender Entrechtung und Enteignung wurde Irma Elsas am 18. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort kam Irma Elsas am 1. Mai 1944 ums Leben.
Nachdem Jonas Mayer viele Jahrzehnte zunächst als Kaufmann, später als Bankier und vor allem als Börsenmakler tätig gewesen war, nahm er Mitte der 1920 Jahre bereits im Pensionsalter seine künstlerische Tätigkeit auf. Seine Werke verstand und erstellte er (zunächst) als Bilderbriefe an seine beiden zu dieser Zeit zunächst in Stuttgart, später in Berlin lebenden Enkelsöhne. In den rund zehn Jahren bis zu Elsas Tod im Jahre 1935 entstanden über 25’000 Blätter, die Elsas nicht nur datierte sonder in der Abfolge ihrer Entstehung (auf der Rückseite der Blätter) durchgehend nummerierte.
Gegen Ende der 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre widerfuhr Elsas zunehmend künstlerische Anerkennung durch Ausstellungen in renommierten Galerien vor allem in Deutschland, 1930 auch in der Galerie Forter in Zürich. In diesen Jahren konnte Elsas einerseits einige seiner Werke verkaufen, andererseits begann er sich bei seinen Förderern auch mit Blättern für deren Einsatz zu bedanken.
Nach John Elsas’ Tod verpackte seine Tochter Irma alle vorhandenen Zeichnungen in zwei Holzkisten, welche sie mit Name und Adresse der Familie Raff, die seit 1937 in Zürich wohnhaft war versah. Wie und wo diese Kisten den Krieg und die ersten Nachkriegsjahre überdauert haben, konnte (bis heute) nicht geklärt werden. 1954 erreichten die Kisten aus Frankfurt die Tochter Fanny Raff in Zürich. Gut 16’000 Blätter verblieben bis 1999 im Besitz des Enkels Herbert Raff, der 1999 im Jahr vor seinem Tod rund 14’000 Blätter dem Museum im Lagerhaus St. Gallen vermachte.
Die in der Ausstellung «OMANUT trifft John Elsas» gezeigte Auswahl stammt aus dem Nachlass des Zürcher Kunsthistorikers Werner Y. Müller (1902–1991), der sich vor allem in der (seinerzeitigen) «Kunsthistoriker-Vereinigung an der Universität Zürich» für Elsas einsetzte. Elsas überliess ihm in den Jahren zwischen 1931 und 1935 insgesamt über 200 Blätter aus welchen hier eine kleine Auswahl gezeigt wird. Die Ausstellung wollte auch mit einem Blick auf die Umstände der Überlieferung und mit weiteren Bezügen zu Zürich und der Schweiz, den Künstler und sein Werk in Erinnerung rufen.
«Gewöhnet Euch an Elsas Bilder, dann wird auch Euer Urteil milder»